Oscar Tabarez lässt sich nicht unterkriegen

Seine Krankheit verbirgt er nicht. Er steht dazu, dass er nicht mehr ohne Gehhilfe gehen kann. Neben dem Trainerstuhl steht eine Krücke. Wo andere nach einem Tor ihres Teams jubelnd aufspringen, bleibt er sitzen. Dass er sich mindestens genauso freut wie jüngere und gesunde Kollegen, sieht man am Schmunzeln in seinem Gesicht. Der Garant für den Erfolg seines Teams sei Tabarez, erwähnte Edinson Cavani in einem Interview nach dem Achtelfinalsieg gegen Portugal. Der Trainer redet nicht über seine Verdienste und auch nicht über seine Krankheit.

Wir sind hier um sieben Spiele zu bestreiten

Über seine Krankheit redet Tabarez nicht. Der 71-jährige leidet am Guillain-Baré-Syndrom, einer Nervenerkrankung, die die Muskeln nachhaltig schwächt. Doch das stellt der Maestro nicht in den Vordergrund. Es ist ihm wichtig, die Mannschaft zu führen. Seinen Spielern Struktur zu geben. Das schafft er: Das Team um Cavani und Suarez zeigte in allen Spielen großartige Leistungen und hat sich verdient für die Runde der letzten Acht qualifiziert. Nebenbei sorgt Tabarez für viele Superlative: Er ist der älteste Turniertrainer, mit 14 Jahren im Amt der erfahrenste. Das Viertefinalspiel ist sein 185. Einsatz als Nationaltrainer Uruquays – ein Rekord.

Solche Rekorde sammelt man nicht im Vorbeigehen. Es gehört immense Disziplin dazu, sich entsprechend zu präsentieren. Tabarez war schon als Spieler erfolgreich. Nun lässt er die Fans und das ganze Land von großen Triumphen träumen. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf sich. Zum Training fährt mit dem Elektrorollstuhl oder lässt sich von einem Golf-Caddy befördern. Für Interviews lehnt er sich auf seine Krücke, die ihn auch zu den Spielen ins Stadion begleitet. Seinen unbändigen Willen hat er seinem Team eingeimpft. Die Laufbereitschaft der Uruquayaner ist riesig. Der Kampfeswille auch. So ist es wohl, wenn ein Trainer sein Team prägt, auch wenn er Trainingsübungen nicht selbst vorstellen kann. Sein Wille ist es, was die Mannschaft übernommen hat. Da sind auch sieben Spiele bei der WM keine Utopie mehr, sondern ein realistisches Szenario.

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